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Die seelenlose Gesellschaft (Till Bastian)

Für mich ist dieses Buch wieder so ein typisches „Ja eh-Buch“:  Fast allem, was Till Bastian schreibt, kann ich mit einem „Ja, eh“ zustimmen, doch nichts erscheint mir so neu oder tiefgründig, dass ich daran länger hängen bleiben würde.

 

Ja, in der modernen Gesellschaft spielt die individuelle Mobilität eine große Rolle und ja, in fast jedem Augenblick buhlen zahlreiche – meist visuelle und optische – Reize um unsere Aufmerksamkeit und viele davon sind banal, manche schlicht und einfach nur dumm.

 

Natürlich verändert der „allumfassende“ Gebrauch verschiedener technologischer Errungenschaften unseren Zugang zur Natur und höchstwahrscheinlich auch unseren Umgang mit unserem eigenen Körper.

 

Das alles ist nicht neu, und so schreibt es auch der Autor: Die Veränderungen, die die moderne Konsumgesellschaft mit sich bringt, wurden seit ihrem Beginn von zahlreichen Soziologen und Philosophen dokumentiert und zum Teil auch kritisiert.

 

Ich stimme Till Bastian auch zu, wenn er einräumt, dass wir dieser „Technologie-Maschine“ nur wenig entgegen zu setzen haben: Als „Gegengewicht“ bleibt letztendlich nur der bewusste Umgang mit der Technologie in der Weise, dass wir Ruhe- und Mußezeiten für uns definieren und einhalten, dass wir selektiv mit dem Überangebot an Konsummöglichkeiten umgehen und dass wir (wieder) direkten Zugang zu unseren Sinnen und der Natur finden.

 

Wo ich dann nicht folgen kann, ist bei der Aufforderung, auch die „Widersprüchlichkeiten unserer Seele“, wohl auch die dunklen Seiten und Schatten anzusehen und als „uns als Menschen zugehörig“ bestehen zu lassen. Ich meine, das ist natürlich Aufgabe jedes Menschen, sich selbst als Ganzes wahrzunehmen und darüber zu reflektieren, wer er/sie in ihrem/seinem tiefsten Inneren tatsächlich ist. Aber dieser Gedankengang erschließt sich mir während der Lektüre nicht wirklich.

 

Was in dem Buch nur am Rande erwähnt wird, sind die positiven Aspekte der modernen Gesellschaft: Dass die vielen Wahlmöglichkeiten – Stichwort: Multioptions-Gesellschaft – nicht nur Trauer über die nicht verwirklichten Möglichkeiten mit sich bringt sondern auch eine bis dahin nie gekannte individuelle Freiheit. Dass das Internet zwar „Vereinzelung und Vereinsamung“ mit sich bringen kann, auf der anderen Seite aber auch Kommunikation zwischen Menschen ermöglicht, die sich „im echten Leben“ nie begegnen werden.

 

Was auch fehlt, ist der „Ausblick“ auf die „digital natives“ – also jene Kinder und Jugendlichen, die mit der allumfassenden Technologie aufgewachsen sind: Wie sieht es mit ihrem Bezug zur Natur, zu ihren Sinnen, zu ihrem Körper aus? Und, für mich ein sehr wichtiger Punkt, der im Buch bestenfalls gestreift wird: Welche Auswirkungen hat das ständige „Sich präsentieren müssen“ in den verschiedenen sozialen Netzwerken auf die Entwicklung der „Seele“? Denn gerade dort könnte m.E. die Gefahr der „seelenlosen“ Gesellschaft drohen – wenn Menschen von sich selbst nur mehr das wahrnehmen (wollen oder können), was nach außen hin präsentiert werden kann. Wenn das Leben nur mehr so gestaltet wird, dass es nach außen „präsentabel“ ist. Da bleibt dann wenig Raum für Eigenes, für Individualität, da droht die Gefahr der „Gleichmacherei“, einer Nivellierung auf den Durchschnitt.

 

Mein Fazit: Leider verspricht der Buchtitel mehr, als er halten kann.

 

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