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Das Kind kann sich nicht konzentrieren...

 

Ein Satz, der bei Elternsprechtagen immer wieder fällt: „Ihr Kind ist klug, aber es kann sich nicht konzentrieren. Je nach Temperament von Lehrern und Eltern steht früher oder später das „Schreckensgespenst“ ADHS im Raum.

 

Besser über „Konzentration“ Bescheid zu wissen, kann helfen, unnötige Panik und Sorgen zu vermeiden.

 

Mit Konzentration bezeichnen wir die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit für eine bestimmte Zeit auf eine bestimmte Aktivität zu richten und alles Andere so weit auszublenden, dass es uns bei dieser Aktivität nicht stört.

 

Dazu ist einmal die grundsätzliche Konzentrationsfähigkeit notwendig. Diese kann man leicht im Alltag beobachten: Gibt es Situationen, in denen sich das Kind konzentrieren kann, z.B. beim Zeichnen, Spielen, Lesen, Bügelperlen stecken? Fernsehen und Spiele auf dem Handy, Tablet, der Spielkonsole zählen hier aber nicht!

 

Als Faustregel gilt übrigens, dass sich ein Kind mindestens doppelt so viele Minuten wie sein Lebensalter auf eine Sache konzentrieren können sollte (ein 4jähriges Kind z.B. 8 Minuten). Vermutet man hier Schwierigkeiten, ist ein professionelle Beratung (Kinderarzt, Psychologin) sinnvoll, an die sich – wenn nötig - auch eine entsprechende Therapie anschließen kann.

 

Mit dieser Konzentrationsfähigkeit an sich ist es aber im (Schul-) Alltag noch nicht getan: Auch wenn sie vorhanden ist, heißt das noch lange nicht, dass sich das Kind auch konzentrieren WILL. Beziehungsweise, dass es sich genau dann, wenn es die Lehrerin möchte, auf genau das konzentrieren will, was die Lehrerin möchte.

 

 

 

Gerade für überdurchschnittlich begabte Kinder kommt es in der Schule immer wieder zu Situationen, in denen sie das, was die Lehrerin gerade erzählt, überhaupt nicht interessiert. Wieso sollte das Kind sich z.B. für das große und das kleine M interessieren, wenn es längst schreiben und lesen kann? Oder warum sollte es hochkonzentriert Plusaufgaben im Zehnerraum rechnen, wenn es sich längst im Zahlenraum bis 100 auskennt? Hier ist es nur verständlich, dass sie „abschalten“ und tagträumen…

 

Abhilfe kann hier einerseits gezielte Förderung schaffen, denn am besten können wir uns für Aufgaben begeistern, die gerade so schwer sind, dass wir sie – mit vertretbarer Anstrengung – lösen können. Zu einfache Aufgaben hingegen empfinden viele kluge Kinder als langweilig.

 

Ist das nicht möglich, muss man versuchen, dem Kind das „Konzentrieren wollen“ schmackhaft zu machen, indem man es z.B. für die Erfüllung „langweiliger Aufgaben“ belohnt. Um das Konzentrationsvermögen nicht versanden zu lassen und die Freude an der eigenen Intelligenz zu spüren, kann man am Nachmittag kniffelige Aufgaben, Rätsel oder Schachspielen anbieten.

 

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